Neuss: German Winner und Internationale

Man soll ja immer mit etwas positivem beginnen und so habe ich wirklich länger überlegt, wie mein Bericht über die großen VDH-Shows am 09. und 10.07.22 beginnen soll.

Von der Stadt selbst habe ich leider gar nichts gesehen. Das Hotel und auch das Showgelände auf der Rennbahn Neuss lagen verkehrstechnisch sehr günstig an der Autobahn. Da haben wir das erste Plus! Neuss scheint eine hohe Lebensqualität zu haben, denn ich habe nur freundliche und entspannte Menschen getroffen. Vom gesamten Hotelpersonal über die Männer am Einlaß zur Show bis zu der Besucherin, die lange mit mir am Ring verweilte und mir die Wartezeit mit klugen Fragen vertrieb.

Der Einlaß klappte tatsächlich zügig und problemlos, da die Notausgänge der Rennbahn auch als Ein- und Ausgänge der Show genutzt wurden. Die QR-Codes für den Eintritt hatte es vorab per Mail gegeben, zusammen mit den Startnummern. Die Codes wurden nur noch kurz gescannt und man war drin! Das war ja einfach! Gruß nach Karlsruhe, wo man eine Stunde Wartezeit für die Aussteller als normal empfindet. Alle Hunde mußten ein einfaches Gesundheitszeugnis vom Haustierarzt mit der Anmeldung einreichen, somit entfiel die sonst übliche Besichtigung der Hunde durch den örtlichen Tierarzt auch und für die Tollwut-Impfung waren Stichproben während der Show angekündigt. Im tollwutfreien Deutschland eine sinnvolle Maßnahme.

Damit ist der positive Teil wirklich ausgereizt, denn diese Show war mit das schlechteste, was ich je an Vorbereitung und Organisation erlebt habe. Schlimmer war nur Neunkirchen im Saarland, als kurzfristig Saarbrücken ersetzt werden mußte.

Beginnen wir doch mit der Anreise. Die empfohlenen Parkplätze befanden sich weit außerhalb vom Showgelände. Die erwähnten 10-15 Minuten Fußweg mögen für einen normalen Spaziergang passen. Aussteller haben für gewöhnlich Unmengen an Gepäck dabei: Zelte, Boxen für die Hunde, Tische und Stühle, Verpflegung, Näpfe und natürlich Hunde jeder Größe und Lautstärke. Die Karawane zog also im Tempo des Langsamsten und deutlich länger als 20 Minuten über bucklige Schotterwege zum Eingang. Dabei werden die Arme immer länger und ich war glücklich, daß meine Hunde selber laufen und nicht innerhalb einer Box gezogen werden. Den Platz für die Wohnmobile habe ich überquert und dafür überhaupt Geld zu wollen, war eine Frechheit.

Was auf der Grafik noch halbwegs nett aussieht, entpuppte sich in der Realität als Zumutung. Alle Industrieaussteller, alle Organisation und jegliche Verpflegung befanden sich weitab von den Ringen der Aussteller. Dabei hätte es mehr als genug Platz für einen mobilen Getränkeanbieter gegeben. Besucher verirrten sich so kaum zu den Showringen. Sie hätten dort auch nicht einmal eine Bank zum Verweilen gefunden! Sogar ein schwer eingeschränkter Richter stand am Sonntag fast eine Stunde in der Sonne, weil die vorhergehende Rasse etwas länger im Ring war. Wenigstens hat man ein paar chemische Toiletten für die Aussteller aufgestellt. Sanitärwagen befanden sich nur im kommerziellen Abschnitt der Rennbahn. Ein paar wenige Bäume spendeten Schatten und ein Zelt mitzubringen, das hatte sich von selbst verboten. Alleine mit dem üblichen Gepäck und den beiden Hunden wäre das Zelt zu viel Gewicht geworden. Es hätte auch nicht über Nacht auf dem Platz bleiben können, da wir von Ring 19 nach Ring 31 wechseln mußten.

Die Ringe selbst waren recht frisch gemäht und der Grasschnitt lag in akkuraten Streifen im Ring. Mein junger Sheltie bekam die Nase beim Laufen kaum hoch. Ich hatte Mühe, ihm zu erklären, daß Gras plus Linie nicht gleich Schnüffeln ist.

Das viele Heu verdeckte allerdings auch gefährlich tiefe Löcher in manchen Ringen. Kleinstrassen sollen während der Vorführung komplett darin verschwunden sein. Manche Richter verlegten die Beurteilung des Gangwerks deshalb auf die staubigen Wege zwischen den Ringen. Ich habe von einer Ausstellerin gelesen, die sich einen mehrfachen Knöchelbruch zugezogen hat.

Übrigens haben die Aussteller selbst das Heu neben die Ringe geräumt, so daß in einigen Ringen wenigstens am Sonntag etwas Normalität möglich war.

Das positivste an diesen beiden Tagen war das Wetter! Weder bei 40°C noch bei strömendem Regen hätte ich mich auf diesem Platz aufhalten wollen. So haben wir doch recht unbeschadet durchgehalten.

Am Samstag war die Internationale Show.

Der kleine Thorin überraschte mich mit einem V1 CACJ in der Jugendklasse und trägt jetzt den Titel „Jugendsieger Neuss“. Dafür hätte man noch eine weitere Rosette an einem der weit entfernten Stände abholen können.

Der Hobbit mußte sich in der Championklasse einem wirklich schönen Mitbewerber geschlagen geben. In seiner tollen Bewertung findet sich kein Mangel. Bei den Champions entscheidet oft nur der Geschmack des Richters und der andere Rüde hatte einen vollen weißen Kragen. Daran scheitert es doch recht häufig und wir haben uns daran gewöhnt.

Am Sonntag dann die German Winner:

Thorin mochte den Richter überhaupt nicht leiden und der fand ihn insgesamt zu feminin. Mit gerade 10 Monaten muß er aber nicht wirklich wie ein gestandener Kerl aussehen. Ich hatte auch das Gefühl, daß zwei Tage hintereinander noch etwas zu viel große Show für den Kleinen sind.

Der Hobbit hatte am zweiten Tag einen anderen Mitbewerber. Das war ein netter Rüde, aber leider so vollständig abgehaart wie eine Hündin nach dem Werfen. Von den Collies kenne ich es, daß bei fehlender Ausstellungskondition nicht mehr als ein SG (sehr gut) vergeben werden kann. Bei den Shelties ist das offensichtlich anders, sonst hätte die Besitzerin und Rasse-Spezial-Richterin diesen Rüden ja sicherlich zu Hause gelassen. Wir sind noch neu bei den Shelties und lernen immer wieder dazu.

Da bei der German Winner der Erstplatzierte zwei Anwartschaften auf den VDH-Champion erhalten kann und die Reserve-Anwartschaft des Zweitplatzierten zu einer vollen Anwartschaft aufgewertet wird, sind wir dennoch zufrieden. Mit dieser aufgewerteten Anwartschaft hat der Hobbit nun seine Tickets zusammen. Unser Bedarf an VDH-Shows ist aber auch erstmal wieder für längere Zeit gedeckt.

Ein Kommentar zu “Neuss: German Winner und Internationale

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