Mitten in der Nacht schenkte uns Lucie am 16. Januar 2016 sieben Bärenkinder. Zwischen 3:10 Uhr und 6:40 kamen ihre Welpen zur Welt. Ein Kleinstes muß wohl immer dabei sein, aber 274g sind nicht schlecht. Unsere dicke Hummel brachte stolze 346g und die übrigen Geschwister lagen auch über 310g. Alle waren sehr vital und begannen sofort, Lucie’s Gesäuge zu bearbeiten. Wir waren bei der Geburt zufriedene Zuschauer und jetzt begann wieder die schwerste Züchterarbeit: geduldig Warten!
Die ersten 48 Stunden sind die schwersten, die Sterblichkeitsrate in dieser Zeit am größten! Theoretisch weiß man, die Kleinen bringen mit Saugen und Milchtritt die Milchproduktion bei ihrer Mutter erst in Gang. Es ist normal, wenn dabei ca. 10% des Geburtsgewichtes verloren gehen können. Praktisch sind 10% verdammt viel, wenn man die winzigen Würmchen vor sich sieht und die Waage gnadenlos abwärts zeigt. So früh ist Zufüttern allerdings fatal: die Darmpassage für das Kolostrum mit den wichtigen mütterlichen Antikörpern schließt sich sehr schnell, wenn ‚richtige‘ Milch verdaut werden muß. Also sitzt man am Kistenrand und übt sich in Geduld. Wenn dann endlich die Waage gute Nachrichten bringt, hält man die vergangene Zeit für eine Ewigkeit!
Schnell wurde allerdings klar, daß Lucie nicht genug Milch für alle sieben Kinder hat. So verbrachte ich die erste Woche mit Zufüttern. Alle 2 Stunden rund um die Uhr bekamen die Zwerge ein Fläschchen. Sven half, so gut er konnte: Er bereitete Milch, wusch Vetbetten, kümmerte sich um die Großen … und leider hatte er keinen Urlaub. Füttern durfte ich alleine … die Winzlinge waren ihm zu zart für Männerhände 😀 Jede Fütterung dauerte ca. 1 Stunde, dann konnte ich 1 Stunde schlafen und schon ging es wieder los. Lucie übernahm die Pflege und weiterhin saugten die Kleinen auch bei ihr. Wir beide waren also wieder im Team beschäftigt.
An Fotos habe ich in dieser Zeit kaum gedacht. Da auch Lucie die Kamera an der Wurfkiste nicht mag, habe ich nur ab und an mit dem Handy ‚geschossen‘.




Es gibt keine Gerechtigkeit in der Natur! So war es sicherlich nicht fair, daß Lucie zum dritten Mal Mutter werden durfte, während die beiden blauen Damen im wahrsten Sinne des Wortes leer ausgingen. Es ist ein verbreitetes Vorurteil, daß man als Züchter seine Hündinnen mit Welpen ‚belastet‘. Das mag auf ausgemergelte Vermehrerhunde leider zutreffen, die für Profit werfen müssen. In einer liebevollen Hobbyzucht erlebt man tatsächlich glückliche Mütter. Auch wenn ich meine Hunde sicherlich nicht vermenschlichen will … es gibt Frauen, die sich aus vollem Herzen auch auf ihr drittes Baby freuen, während andere nach einem gerne auf mehr verzichten.
Nach vier Wochen konnten wir unsere Neugier nicht mehr zurück halten. Eine Ultraschall-Untersuchung sollte uns Gewissheit bringen und wir bewunderten zum ersten Mal unsere Bärenkinder … als Fruchtblasen auf einem Monitor 😀 Lucies Trächtigkeit verlief ansonsten völlig unspektakulär. Sie zeigte die erwarteten Anzeichen nicht auffälliger, als ihre gerade scheinträchtige Tochter Bluette. Dieser direkte Vergleich war für uns eine sehr interessante Lehrvorführung.




