Mutterfreuden

Das wichtigste zuerst: Mutter und Kinderlein sind wohlauf. Die Zwerge wachsen und gedeihen. Wir sind sehr zufrieden.

P1130194Wie zufrieden die Mama ist, sieht wohl jeder auf diesem Bild 😉 Ich glaube ihr die Erschöpfung und den dezenten Frust. Mein fröhliches, springlebendiges Mädchen ist an die Wurfkiste gefesselt. Die Hormone fahren Karussell, der Bauch tut weh, die Welpen ziepen am Gesäuge … Ich verstehe sie so gut.

Ich hätte sie gern öfter in der lauen Frühlingssonne, aber länger als für das Notwendigste mag sie die Kleinen nicht alleine lassen. Also bin ich auch ganz viel bei ihr, erzähle ihr, wie toll sie das macht und wie sehr ich sie liebe – sowieso und für diesen Job noch mehr.

Dat Rettich ist eine tolle und fürsorgliche Mama. Sie hält sich, die Welpen und die Wurfkiste sauber. Ihre Instinkte sind intakt und sorgen dafür, daß sie alles notwendige für ihre Babys tut. Ihre Instinkte sorgen sogar dafür, daß sie Dinge tut, die ihrem Wesen völlig widersprechen. Ihr Gesichtsausdruck wird mir ewig in Erinnerung bleiben, als sie zum ersten Mal das Bäuchlein eines Welpen putzte und seine Ausscheidungen auf der Zunge hatte. Die Prinzessin war komplett entsetzt und angewidert – und doch macht sie ihren Job, sauber und akribisch.

P1130199Zum Dank gönnt sie sich kleine Belohnungen 😉 Sie trinkt z.B. seit der Geburt kein Wasser mehr, zumindest nicht, wenn ich es sehe. Da dringend Flüssigkeit in den Hund muß, serviere ich Welpenmilch aus der Katzenschale, täglich mindestens ein Liter und Majestät trinken im Bett 😀 Den Wassernapf fülle ich trotzdem immer wieder frisch und nach der ‚Verdunstungsmenge‘ zu urteilen, leben wir hier auf einem Vulkan. 😉

Gut warm ist es natürlich! Die Heizung steht auf volle Kraft und eine Rotlichtlampe sorgt für zusätzliche Wärme. Die Welpen können in den ersten Tagen ihre Körperwärme noch nicht selber regulieren. Da es in der Natur weder Heizung noch Rotlicht gibt, werden die meisten Tiere in engen Höhlen geboren. Die Körperwärme der Hundemütter dient dort als Heizung. Dazu steigt die mütterliche Temperatur auf über 39°C. Das in Verbindung mit der modernen menschlichen Technik macht es perfekt für Welpen und zu einer Qual für die Mütter. Sie hecheln wie nach einem Marathonlauf! Auf Bildern aus den ersten Tagen sehen die Hündinnen immer aus, als hätten sie die Worte Stolz und Mutterfreuden gerade selbst erfunden. Die grinsen nicht glücklich in die Kameras der zufriedenen Züchter – die hecheln heftigst, um sich wenigstens etwas Kühlung zu verschaffen! So gesehen gefällt mir das entspannte Bild vom Anfang wieder richtig gut 😉

Tag 61 und Wahrscheinlichkeiten

Guten Morgen, Welt – wir sind noch schwanger!

Dat Rettich hat seit gestern Mittag die Nahrungsaufnahme halbiert. Sie frißt mir zu liebe ein paar Happen, den Rest überlässt sie großzügig dem Rudel. Immerhin frißt sie noch, auch das Frühstück heute morgen blieb noch nicht unberührt. Vermuten wir also, daß wahrscheinlich weniger in den Hund rein paßt, weil sich die Radieschen immer mehr ausbreiten 😉 Solange sie noch futtert, steht die Geburt wahrscheinlich noch nicht unmittelbar bevor. Es soll Hündinnen geben, die noch 2 Stunden vor der Niederkunft reichlich gespeist haben, aber die meisten verweigern. Selbst unsere Freßmaschine Lucie hat vor 2 Jahren am Tag vor der Geburt zum letzten Mal das Frühstück genommen.

Während ich das schreibe, kommt die Post. Um die Aufregung geringer zu halten, bilden wir mal wieder einen Futterkreis. Dabei stehen alle Hunde im Kreis um mich herum und kriegen nacheinander ein Körnchen Trockenfutter in den Mund geschoben. Solche Futterkreise konzentrieren die Collies so sehr auf mich, daß um sie herum unbemerkt die Welt untergehen könnte! OK, an Silvester nehme ich Chips anstelle der Preßkügelchen aber dann wirkt es auch da. Sehr oft machen wir das nicht, weil besonders Lucie und Jette vor Begeisterung ihre Zähne nicht immer unter Kontrolle haben und meine Finger anschließend glühen 🙂 Dat Rettich hat sich ganz selbstverständlich in diesen Kreis eingereiht ….

Wahrscheinlich werden in den nächsten Stunden also keine Radieschen ans Licht der Welt kommen. Ich hatte es gehofft, weil die Nacht doch sehr unruhig war. Jede Stunde ist Madame aufgewacht, hat ihre Laken zerscharrt, sich geputzt und gehechelt. Auch jetzt liegt sie wieder hechelnd in ihrem Lager.

Wahrscheinlich wird sie uns überraschen 😉 Die Temperaturmessungen haben wir gestern schon eingestellt. Wir waren beide davon genervt, 3x am Tag das Thermometer in den Allerwertesten zu schieben. Die Niedrigtemperatur, an die die Züchter so doll glauben, die sagt doch nur, daß wahrscheinlich innerhalb der nächsten 12-24 Stunden die Geburt beginnt. Ja und? Hier ist alles vorbereitet und entspannt. Wahrscheinlich sind die Kleinen innerhalb der nächsten 5 Tage da und soviel Geduld bringen wir dann wahrscheinlich auch noch auf. Wir sind doch erst seit 60 Tagen neugierig 😀

Tag 59 und die Körpertemperatur

Guten Morgen, Welt – wir sind noch schwanger! 😉

Gestern war der 58. Tag der Trächtigkeit und Madame hatte mich dezent in Vorfreude versetzt. Immerhin startete sie mit 37,5° in den Tag und ich konnte ja nicht wissen, ob der Tiefpunkt eventuell schon vorbei war. Zwei Stunden später war sie wieder auf 38° Betriebstemperatur. Den Tag verbrachte sie mit häufigem Hecheln, viel Schlaf und zögerlichem Fressen. Nun ja, das Futtern ging eigentlich wie immer: Dat Rettich steht vorm Napf und überlegt, ob sie Hunger hat. Währenddessen verschlingen Velvette oder Couwie ihre Naschportion mit Freuden. Das animiert, doch wenigstens mal zu probieren. Wenn der erste Happen endlich genommen ist, dann verputzt sie auch den Rest und macht den Napf gründlich sauber. Die Futterverweigerung wird also demnächst auch kein ganz sicheres Anzeichen für die bevorstehende Entbindung.

Solch ein Vorzeichen soll ja auch die bis zu 2° niedrigere Temperatur 12-24 Stunden vor der Geburt sein. Die Fachliteratur bezeichnet es als Unfug, aber die Züchter schwören darauf. Bei meinen Mädels hat es noch nie funktioniert. Dennoch messe ich brav und so starten wir mit 37,7° in den heutigen 59. Tag. 😉

Fakt ist, daß zum Ende der Tragzeit der Progesteronanteil im Blut immer mehr schwindet. Dieses Schwangerschaftshormon hat u.a. positiven Einfluß auf die Körpertemperatur. Nichtschwangere Hunde haben auch eine Temperatur von leicht über 38°. Der normale Regelkreis fährt also Sparflamme, wenn das Progesteron in der Hündin kreist und startet wieder durch, wenn das Hormon allmählich auf dem Rückzug ist. So erklären sich die Schwankungen der Körpertemperatur. Theoretisch ist mir das schon lange klar, praktisch stehe ich regelmäßig am Hund und messe 😀 Was soll man auch tun, wenn man nur Warten kann?